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Willkommen zur 60. Ausgabe von „Spotlighting Museums“!
Wir starten in den Herbst voller Eindrücke der Arbeitstage des relevanten Museums in Hasenwinkel, wo unser Netzwerk jährlich zusammenkommt. Um den Wert von Beziehungen geht es auch in dieser Ausgabe mit einem Beitrag der Kulturstiftung der Länder.
In diesem Newsletter erfahren Sie, wie Museen im PRISMA-Programm Diversität und Teilhabe als institutionelle Querschnittsaufgabe angehen. Mit dabei im Förderprogramm sind auch zwei Museen aus unserem Netzwerk: die Kunsthalle Rostock und das MK&G Hamburg.
Aufbrechen, erproben, verankern
Als öffentliche Institutionen verpflichten sich Museen, Kulturerbe für möglichst alle Menschen zugänglich, verständlich und anschlussfähig zu machen. Teilhabe zu ermöglichen und gesellschaftlicher Vielfalt gerecht zu werden, gehören zu den Leitprinzipien musealer Praxis. In vielen Häusern gibt es dazu bereits umfangreiche Erfahrungen: Partizipative Ausstellungen, barrierearme Vermittlungsangebote und Kooperationen mit lokalen Communities setzen wichtige Impulse. Doch wie wird aus einzelnen Projekten dauerhafte Veränderung? Und was muss sich innerhalb einer Institution verändern, damit Öffnung und Teilhabeorientierung nicht von bestimmten Abteilungen oder vom Engagement einzelner Personen abhängig bleiben?
Das Museum als Ganzes in den Blick nehmen
An dieser Frage setzt „PRISMA – Programm zur Stärkung der Diversität und kulturellen Teilhabe an Museen“ an. Das Programm der Kulturstiftung der Länder begleitet derzeit 15 Museen aus ganz Deutschland in Prozessen der diversitäts- und teilhabeorientierten Organisationsentwicklung. Denn: Der Auftrag, kulturelle Teilhabe zu stärken, sich der Diversitätsentwicklung und institutionellen Öffnung zu widmen, betrifft alle Arbeitsbereiche des Museums. Er berührt Fragen des Sammelns, Ausstellens und Vermittelns ebenso wie Entscheidungswege, Organisationskultur und Personal. PRISMA richtet den Blick deswegen gezielt auch auf interne Strukturen und unterstützt die Häuser dabei, Veränderungsprozesse ganzheitlich anzustoßen und nachhaltige Strukturen aufzusetzen. Der aktuelle Jahrgang ist dabei so vielfältig wie die deutsche Museumslandschaft selbst – vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig (Sachsen) bis zum Industriemuseum Hattingen (Nordrhein-Westfalen), von der Kunsthalle Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) bis zum Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main (Hessen) sind Häuser unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung und Größe beteiligt.
Wissensvermittlung, Strategien, kollegialer Austausch und passgenaue Beratung
In verschiedenen Formaten bringt PRISMA Museen miteinander ins Gespräch. Was funktioniert, wo liegen Hürden und wie können neue Ansätze für mehr Öffnung dauerhaft wirksam werden? Zu den Angeboten des Programms gehören vier aufeinander aufbauende Werkstätten zu Wissen, Methoden und Strategien der diversitätsorientierten Organisationsentwicklung, in denen pro Haus jeweils zwei bis vier Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen teilnehmen. Außerdem vermittelt und finanziert PRISMA individuell zugeschnittene, bedarfsorientierte Beratung mit externen Fachleuten im Umfang von insgesamt 20 Stunden pro Haus. Ein weiteres wichtiges Format ist die Peer-to-Peer-Vernetzung, in der Museumsmitarbeitende eigene Themen und Anliegen in kleinen Gruppen im kollegialen Austausch besprechen. Gemeinsam lassen sich Herausforderungen analysieren und geeignete Ansätze für den jeweiligen institutionellen Kontext entwickeln.
PRISMA gibt den beteiligten Museen dabei keine einheitlichen Maßnahmen vor – es gibt keine Checklisten, keine Patentrezepte. Das Programm bietet vielmehr einen verbindlichen Rahmen, in dem jedes Haus seine Ausgangslage analysiert und eigene Entwicklungsschritte festlegt.
Vielseitige Ansätze – zentrale Kernpunkte
Vor knapp sechs Monaten haben die Museen mit ihrer Arbeit bei PRISMA begonnen. Seitdem hat sich gezeigt: Die Ansätze, ein Museum diversitätsorientiert weiterzuentwickeln, können so unterschiedlich sein, wie die Museen selbst. Manche Häuser befassen sich im Rahmen von PRISMA gezielt mit ihrem institutionellen Selbstverständnis, begeben sich in partizipative Leitbildprozesse oder investieren beispielsweise in die Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden zu Teilhabehürden, einer verbindenden Sprache oder dem inklusiven Umgang mit einem vielfältigen Publikum. Andere nutzen PRISMA, um neue Strukturen für die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu etablieren, gründen beispielsweise eine „AG Zukunft“ oder verankern die Bestrebungen, noch zugänglicher und einschließender in Programm, Personalmanagement oder Publikum zu werden, als wiederkehrende Themen und Aufgaben in Leitungsrunden. Einige Häuser analysieren mit kritischer, externer Begleitung ihre Arbeitsprozesse speziell bei der Konzeption von Ausstellungen und Vermittlungsformaten und eignen sich Methoden und Instrumente an, um unterschiedliche Perspektiven künftig früher und verbindlicher in die Entwicklung einfließen zu lassen. Wieder andere arbeiten daran, die Zusammenarbeit mit lokalen Communities über einzelne, zeitlich begrenzte Projekte hinaus in langfristige, verlässliche Bündnisse zu überführen.
Je stärker die Museen, angestoßen durch die verschiedenen PRISMA-Formate, zu diesen Themen ins Arbeiten kommen und sich miteinander austauschen, desto deutlicher werden dabei auch zentrale Kernpunkte dieser Transformationsprozesse.
Da ist zum einen das Stichwort Wissenstransfer: Um nachhaltige Veränderung zu ermöglichen, muss Wissen innerhalb einer Institution zirkulieren und für unterschiedliche Arbeitsbereiche nutzbar gemacht werden. Wie können Kolleg:innen unterschiedlicher Abteilungen mit verschiedenen Aufgaben, Expertisen und Wissensständen miteinander ins Gespräch kommen und Prozesse gemeinsam gestalten? Welche Strukturen braucht es, damit die gewonnenen Erkenntnisse nicht wieder verloren gehen? Mehr interne Teilhabe schafft die Voraussetzung für Outreach und kulturelle Teilhabe im gesellschaftlichen Umfeld. Hier sind nicht zuletzt Museumsleitungen gefragt, die die strategische Ausrichtung ihres Hauses verantworten und Förderprogramme wie PRISMA engagiert mittragen.
Die Arbeit bei PRISMA zeigt aber auch: Veränderungsprozesse im Museum reichen oft über die einzelne Institution hinaus. Die besondere Konstellation vieler öffentlich getragenen Museen besteht darin, dass sie mehr oder weniger stark in Verwaltungsstrukturen von Ländern und Kommunen eingebunden sind. Fragen der Organisation des Museums, des Museumspersonals und teilweise auch der inhaltlichen Ausrichtung müssen sich daher an Leitlinien von Kulturabteilungen und Fachämtern orientieren. Eine Herausforderung liegt daher auch in der Verständigung zwischen Museen, Trägern und Förderinstitutionen über Ziele, Erfolgskriterien und Verantwortlichkeiten.
Museumsarbeit als Beziehungsarbeit
Am eindrücklichsten ist im bisherigen Programmverlauf aber vielleicht eine Erkenntnis: Museumsarbeit und Transformationsprozesse in Museen sind immer Beziehungsarbeit. Das gilt für den Aufbau langfristiger und vertrauensvoller Beziehungen zu Communities ebenso wie für die Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Abteilungen, zwischen Mitarbeitenden und Leitungen oder zwischen Museen und ihren Trägern. Denn immer wieder treffen dabei unterschiedliche Vorstellungen, wohin die Entwicklungen führen sollen, sowie verschiedene Wissensstände und Arbeitslogiken aufeinander, die es auszuhandeln und im Dialog gemeinsam auszutarieren gilt. Konflikte und Widerstände gehören dabei nicht nur unweigerlich dazu, sondern können sich in Transformationsprozessen als äußerst produktiv erweisen. Es lohnt sich, das Zwischenmenschliche in Veränderungsprozessen ernst zu nehmen, um Strukturen langfristig zu verändern.
PRISMA investiert daher nicht nur in Wissen und Methoden, sondern vor allem in Beziehungen und Netzwerke. Museumsmitarbeitende aus ganz Deutschland tauschen bei PRISMA Erfahrungen aus, beraten einander und arbeiten in selbst organisierten Teams zusammen. Externe Fachleute bringen sich als Impulsgeber:innen, Jurymitglieder und Beratungspersonen ein. Und auch für das Programmteam der Kulturstiftung der Länder ist der intensive und direkte Kontakt zu den Museen essenziell. Das Ohr ganz nah an den Institutionen zu haben, ist notwendig, um Rahmenbedingungen und konkrete Bedarfe besser zu verstehen und Förderangebote auch in Zukunft möglichst wirksam daran auszurichten.
Die Kulturstiftung der Länder
Als gemeinsame Förderinstitution der 16 deutschen Länder unterstützt die Kulturstiftung der Länder Museen seit bald 40 Jahren bei der Erwerbung, Erhaltung, Präsentation, Vermittlung und Dokumentation von Kunstwerken und Kulturgütern, die für die Geschichte oder das kulturelle Selbstverständnis der Menschen in Deutschland eine herausragende Bedeutung haben. Dabei setzt sich die Stiftung gemäß ihrer Satzung und ihrem Leitbild auch für kulturelle Teilhabe und die gesellschaftliche Öffnung kulturgutbewahrender Einrichtungen ein. Mehr zur Arbeit der Kulturstiftung der Länder unter www.kulturstiftung.de.
Vielen Dank an die Kulturstiftung der Länder und die beteiligten Museen für den Einblick in das Programm.
Gerne möchten wir Sie auf diese Veranstaltungen aufmerksam machen:
Jahrestagung des Netzwerk Besucher*innenforschung e.V., 8. und 9. Oktober 2026, Deutsches Hygiene-Museum Dresden
The One Page Audience Strategy, 4. November oder 2. Dezember 2026, online
Museen zwischen Heute und Morgen, Symposium zu technologischen und sozialen Zukunftsräumen, 5. November 2026, Fraunhofer IAO, Stuttgart
Tutorial Publikumsforschung, 14. Oktober 2026, Museumsverband Nordrhein-Westfalen, online
Bis bald im nächsten Newsletter Ende November!
Herzliche Grüße
Marleen Grasse
English Version
Welcome to the 60th issue of “Spotlighting Museums”!
We are entering autumn full of impressions from the working days of the Relevant Museum in Hasenwinkel, where our network meets annually. This edition also focuses on the value of relationships, with a feature from the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder).
In this newsletter, you’ll find out how museums in the PRISMA programme are approaching diversity and participation as a shared institutional priority. Two museums from our network are also taking part in the funding programme: the Kunsthalle Rostock and the MK&G Hamburg.
Set out, explore, establish
As public institutions, museums are committed to making cultural heritage accessible, understandable and relevant to as many people as possible. Enabling participation and doing justice to social diversity are among the guiding principles of museum practice. Many museums already have extensive experience in this area: participatory exhibitions, accessible educational programmes and collaborations with local communities are providing important impetus. But how do individual projects lead to lasting change? And what needs to change within an institution to ensure that openness and a focus on participation do not remain dependent on specific departments or the commitment of individual people?
Taking a holistic view of the museum
This is the question addressed by “PRISMA – Programme for Strengthening Diversity and Cultural Participation in Museums”. The programme, run by the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder), is currently supporting 15 museums across Germany in processes of organisational development focused on diversity and participation. After all, the mandate to strengthen cultural participation and to commit to diversity development and institutional openness affects all areas of a museum’s work. It touches on issues of collecting, exhibiting and outreach, as well as decision-making processes, organisational culture and staff. PRISMA therefore specifically focuses on internal structures and supports the museums in initiating change processes holistically and establishing sustainable structures. The current cohort is as diverse as the German museum landscape itself – from the Museum of City History Leipzig (Saxony) to the Hattingen Industrial Museum (North Rhine-Westphalia), and from the Rostock Art Gallery (Mecklenburg-Western Pomerania) to the Museum of World Cultures in Frankfurt am Main (Hesse), institutions of varying thematic focus and size are taking part.
Knowledge transfer, strategies, peer-to-peer exchange and tailored advice
PRISMA brings museums together through a variety of formats to foster dialogue. What works, where are the obstacles, and how can new approaches to greater inclusivity be made effective in the long term? The programme’s offerings include four sequential workshops on knowledge, methods and strategies for diversity-oriented organisational development, in which two to four staff members from different departments per institution take part. In addition, PRISMA facilitates and funds tailored, needs-based consultancy with external experts totalling 20 hours per museum. Another key format is peer-to-peer networking, in which museum staff discuss their own topics and concerns in small groups through collegial exchange. Together, they can analyse challenges and develop suitable approaches for their respective institutional contexts.
PRISMA does not prescribe standardised measures for the participating museums – there are no checklists, no ready-made solutions. Rather, the programme offers a binding framework within which each institution analyses its current situation and defines its own development steps.
Diverse approaches – key points
Just under six months ago, the museums began their work with PRISMA. Since then, it has become clear that: The approaches to developing a museum with a focus on diversity can be as varied as the museums themselves. Some institutions are using PRISMA to focus specifically on their institutional identity, embarking on participatory mission statement processes or, for example, investing in raising their staff’s awareness of barriers to participation, inclusive language or how to engage with a diverse audience. Others use PRISMA to establish new structures for cross-departmental collaboration; for example, by setting up a “Future-Work Group” or by embedding efforts to become even more accessible and inclusive in terms of programmes, human resources management or audience engagement as recurring themes and tasks in management meetings. Some institutions are analysing their working processes – particularly in the design of exhibitions and educational formats – with critical, external support, and are adopting methods and tools to incorporate different perspectives into the development process earlier and more effectively in future. Still others are working to transform their collaboration with local communities from individual, time-limited projects into long-term, reliable partnerships.
The more museums – encouraged by the various PRISMA formats – engage with these issues in their work and exchange ideas with one another, the clearer the central focal points of these transformation processes become.
Firstly, there is the concept of knowledge transfer: to enable sustainable change, knowledge must circulate within an institution and be made accessible to different areas of work. How can colleagues from different departments, with varying roles, areas of expertise and levels of knowledge, engage in dialogue with one another and shape processes together? What structures are needed to ensure that the insights gained are not lost again? Greater internal participation creates the conditions for outreach and cultural participation within the wider community. This is where museum directors, who are responsible for the strategic direction of their institutions and actively support funding programmes such as PRISMA, have a key role to play.
However, the work at PRISMA also shows that processes of change within museums often extend beyond the individual institution. The particular situation facing many publicly funded museums is that they are integrated, to a greater or lesser extent, into the administrative structures of regional and local authorities. Issues relating to the organisation of the museum, its staff and, in some cases, its thematic focus must therefore be guided by the directives of cultural departments and specialist agencies. One challenge therefore lies in reaching a common understanding between museums, funding bodies and supporting institutions regarding objectives, success criteria and responsibilities.
Museum work as relationship-building
Perhaps the most striking insight to emerge from the programme so far, however, is this: Museum work and processes of transformation within museums are always about building relationships. This applies just as much to establishing long-term, trust-based relationships with communities as it does to cooperation and understanding between departments, between staff and management, or between museums and their governing bodies. This is because, again and again, differing views of where developments should lead, as well as varying levels of knowledge and working approaches, come into conflict – and these must be negotiated and balanced through dialogue. Conflicts and resistance are not only an inevitable part of this process, but can prove to be extremely productive in transformation processes. It is worth taking the interpersonal aspects of change processes seriously in order to bring about long-term structural change.
PRISMA therefore invests not only in knowledge and methods, but above all in relationships and networks. Museum staff from across Germany exchange experiences at PRISMA, advise one another and work together in self-organised teams. External experts contribute as catalysts, jury members and advisers. And for the programme team at the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder), too, intensive and direct contact with the museums is essential. Keeping a close ear to the ground at these institutions is necessary in order to better understand the broader context and specific needs, and to ensure that funding schemes continue to be tailored as effectively as possible to these in the future.
The Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder)
As a joint funding body of the 16 German federal states, the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder) has been supporting museums for almost 40 years in the acquisition, conservation, presentation, education and documentation of works of art and cultural assets that are of outstanding significance to the history or cultural identity of people in Germany. In accordance with its statutes and mission statement, the Foundation is also committed to promoting cultural participation and ensuring that institutions dedicated to the preservation of cultural heritage are accessible to the wider public. Find out more about the work of the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder) at www.kulturstiftung.de.
Many thanks to the Cultural Foundation of the German Federal States (Kulturstiftung der Länder) and the participating museums for giving us an insight into the programme.
We would like to draw your attention to the following events:
Annual Conference of the Netzwerk Besucher*innenforschung e.V., 8 and 9 October 2026, Deutsches Hygiene-Museum, Dresden
The One Page Audience Strategy, 4 November or 2 December 2026, online
Museums Between Today and Tomorrow, Symposium on Technological and Social Spaces of the Future, 5 November 2026, Fraunhofer IAO, Stuttgart
Tutorial on Audience Research, 14 Oktober 2026, Museumsverband Nordrhein-Westfalen, online
See you soon in the next newsletter at the end of November!
Kind regards
Marleen Grasse








